Matt Kelly (Dropkick Murphys)

Matt Kelly (Dropkick Murphys)

Band: Matt Kelly (Dropkick Murphys)

Interviewer: Franziska

Datum: 16. März 2010


Farrelmagazine: Hey Matt. Wie läuft eure Tour?


Matt Kelly: Super! Es ist toll, Sick of it all dabei zu haben. Sie sind Legenden! Das waren eine der ersten Hardcore-Shows, zu denen ich gegangen bin.

Also könnt ihr euch aussuchen, mit wem ihr auf Tour geht?


Ja, das ist auf jeden Fall cool.

Ich hab euch vor ein paar Jahren mal zusammen mit Less Than Jake gesehen.


Ja, das war eine super Tour!

Und jetzt seid ihr erst mal drei Monate auf Tour?


Ja, aber es ist nicht alles zusammenhängend. Morgen fahren wir erst mal für zweieinhalb Wochen nach Hause. Dann spielen wir ein paar Konzerte in den USA. Bis zum St. Patrick´s Day, das ist für uns immer eine sehr feierliche Zeit. Im April sind wir dann noch in Großbritannien für ein paar Dates. Danach werden wir dann erstmal neue Songs schreiben.

Wird es manchmal anstrengend, die ganze Zeit mit den Jungs auf Tour zu sein?


Ja (lacht), aber wir touren mittlerweile nicht mehr so lange am Stück. Wir waren mal elf Monate von zuhause weg, in einem Jahr! Das hat einen verrückt gemacht, wir hätten uns umbringen können (lacht). Jetzt sind es meistens mal drei Wochen Tour, höchstens ein Monat am Stück. Aber klar, mit sieben Jungs in der Band und noch zehn in der Crew... Es ist so, wie es immer ist, wenn man Zeit mit Leuten verbringt, die man lange kennt.

Ihr bringt eine neue CD heraus, „Live on Lansdowne“? Da sind Ausschnitte aus den St. Patrick´s Day Shows in Boston drauf?


Ja, wir haben das vor einen Jahr aufgenommen, während sieben Shows. Auf der CD sind dann die besten Songs von diesen Gigs. Insgesamt haben wir die dann aus ungefähr 200 Songs ausgesucht. Es ist echt cool geworden! Es gibt auch eine DVD-Edition. Die es echt Wahnsinn, aufgenommen mit riesigen Kamera-Kranen und so. Das lässt uns cooler aussehen, als wir eigentlich sind (lacht). Der Sound ist auch super, und die DVD ist in High Definition. Dann sieht man das Weiße in unseren Augen und Falten und so.

Eure St. Patrick´s Day Shows sind meist schon Monate vorher ausverkauft, obwohl es sechs Termine gibt. Was ist die Magie dieser Shows?


Es ist eine Tradition geworden. Wir machen das schon seit 1999. Und dann denken sich die Leute, „Hey, wie cool wäre es, die Band in der Stadt zu sehen?“ Wenn man Sick of it all in New York sieht, ist das großartig. Die Leute können Pläne machen, uns in Boston zu sehen, an einem Feiertag. Für Amerikaner ist Boston eine sehr historische Stadt, sie ist alt für amerikanische Verhältnisse. Ich glaube, manche Leute kaufen auch Tickets für mehrere dieser Shows, so dass sie uns mehrmals sehen können. Und dann schauen sie sich den Baseball-Park an oder so was. Vieles hat damit zu tun, dass es ein großer Event ist – da ist eine riesige Parade, es ist einfach eine ziemlich verrückte Woche.

Ihr habt gesagt, die Tracklist wäre anders als sonst auf „Live on Lansdowne“.


Wir haben 2000 schon mal ein Live-Album gemacht. Seitdem haben wir schon wieder ein paar andere Alben veröffentlicht, da ist also einiges an neuem Material hinzugekommen. Also jedenfalls, wenn man das erste hat, dann ist das ganz anders als das jetzt. So oft sind überall immer wieder die gleichen Songs drauf, das versuchen wir nicht so zu machen.

Wie macht ihr das auf Tour, spielt ihr da jeden Abend die gleichen Songs?


Nein. Als wir das letzte Mal hier waren, haben wir den ein oder anderen Song nicht gespielt, darauf achten wir dann jetzt. Klar spielt man auch mal viele Songs an mehreren Tagen hintereinander, aber wir wollen jedes Konzert einzigartig machen. Außerdem langweilt es uns dann nicht, ständig wieder und wieder dieselben Lieder zu spielen.

Gibt’s denn Songs, die ihr nicht mehr spielen wollte, die aber die Fans hören wollen?


Ja, für mich ist das „Shipping Up To Boston“. Der Song war damals so schnell fertig, als wir ihn geschrieben haben. Die Lyrics waren von Woody Guthrie. Wir haben uns dabei keine großen Gedanken gemacht. Wir dachten, cool, noch ein Song für´s Album. Und dann war er in dem Film [The Departed, Anm. d. Red.].

Habt ihr dadurch noch mal eine neue Fangemeinde bekommen?


Ein bisschen, ja. Ich meine, es sind nicht so sehr Massen die zu den Gigs kommen, aber Leute, die Alben kaufen. Es ist jetzt nicht so, dass man rausgeht auf die Bühne und sieht tausende neue Fans (lacht).

Eure Konzerte sind irgendwie immer etwas Besonderes, es hat so was von Zusammenhalt.


Das ist cool! Ich glaube, dass das daran liegt, weil wir versuchen, die Zuschauer mit auf die Bühne zu holen. Wir sind nur Leute, die Songs spielen. Wir sind keine Rockstars, die da oben stehen, mit Kaviar und Champagner. Und wir spielen jedes Mal ein anderes Set, es ist nicht nur Kabarett. Da sind Gefühle dabei, das ist glaube ich sehr wichtig. Manchmal schreiben uns Leute und fragen, ob wir ihrem verstorbenen Freund einen Song widmen können. Das versuchen wir immer, auch wenn wir viele Anfragen bekommen. Wenn Leute begreifen, dass sie uns wichtig sind... Sie schreiben uns dann zum Beispiel, „Hey, könnt ihr Donnerstag in New York das und das Lied spielen?“, und das versuchen wir zu machen. Das nimmt die dämliche „Mystik“ weg. Da ist nichts Besonderes an uns außer den Songs. Die Leute sollen einfach eine gute Zeit haben. Mit einer Gruppe stinkender Jungs, die Songs spielen.

Habt ihr euch verändert über die Jahre?


Ja, ich glaube auch, eine Band sollte sich zwar nicht verändern, nur um sich zu verändern, aber um sich weiterzuentwickeln. Die Themen unserer Songs sind zwar meistens noch dieselben, aber man schreibt mal aus einer anderen Perspektive und wir können vielleicht besser buchstabieren (lacht)... Wir gehen mehr in die Tiefe, aber musikalisch ist es noch sehr ähnlich. Es fängt alles an mit akustischen Songs, man nimmt die Gitarre und spielt Punk-Songs. So ist das immer noch sehr häufig.Es hat sich für mich nur so entwickelt, dass es gewachsen ist, lyrisch zum Beispiel. Aber es ist immer noch aus der selben Perspektive, von der Straße.

Gibt es schon Pläne für ein neues Album?


Wir haben ab und zu mal neue Songs geschrieben. Wir haben dieses sehr historische Eishockey-Spiel in Boston gemacht, das war zwischen dem Bostoner und dem Philadelphia-Team. Da haben sie im Fenway Park [Baseball-Park der Boston Red Sox] eine Eisfläche gemacht. Jedenfalls haben sie uns gefragt, ob wir... „Shipping Up To Boston“ (lacht) am Anfang spielen können. Im Vorfeld hatten wir viel Zeit, zu proben. Wenn wir nach dieser Tour wieder zuhause sind, schreiben wir sicher noch neue Sachen und sonst auch mal unterwegs. Wir wollen auf jeden Fall bald ein neues Album herausbringen, weil es schon drei Jahre her ist, dass wir „The Meanest Of Times“ veröffentlicht haben. So lang war die Zwischenzeit bei uns noch nie.

Was macht ihr gern, wenn ihr Freizeit habt und nicht auf Tour seid?


Ich lese viel, vor allem Philosophisches. Ich koche auch gern, oder ich spiele mal mit anderen Bands. Musik ist natürlich ein großer Teil von unseren Leben, so dass man immer mal unterschiedliche Projekte und so was hat. Und sonst.. meine Frau und ich machen gern Spaziergänge mit unserem Hund, das ganze Klischee.

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