Set Your Goals
Band: Set Your Goals
Interviewer: Franziska
Datum: 01. Juni 2011
Wir haben die sympathische Punkrock-Band Set Your Goals aus San Francisco getroffen. Mit Sänger Jordan Brown und Drummer Michael Ambrose haben wir über monatelanges Touren und persönliche Helden gesprochen - und erfahren, wie es ist, wenn Jane's Addiction-Sänger Perry Farrell drei Reihen weiter vorn im Flugzeug sitzt.
Farrelmagazine.com: Eure neue CD kommt Ende des Monats in Deutschland heraus. Erzählt uns etwas über „Burning At Both Ends“!
Jordan: Wir haben die CD innerhalb von sechs Wochen aufgenommen.
Michael: Oder sechs Monate...
Jordan: (lacht) Ja, eine Menge harte Arbeit. Wir haben den größten Teil mit Brian McTernan in Baltimore aufgenommen und haben es dann in LA mit Mike Green fertig gemacht. Es sind zwölf Songs auf dem Album und eine B-Side.
Michael: 13 Songs.
Jordan: 13 Songs und eine B-Side. Wir sind zufrieden – die Musik ist echt stark, und diese Stärke zieht sich durch das ganze Album.
Michael: Ja, es ist sehr intensiv. Viele Songs sind sehr anders. Wir haben mit Brian viel an den Refrains und Bridges gearbeitet. Die Bridges sind die besten Bridges, die wir bisher geschrieben haben, und sie sind der Teil der Songs, der mir am besten gefällt.
Jordan: Sie gehen am meisten aus sich heraus.
Michael: Sie unterscheiden sich ziemlich von dem restlichen Teil der Songs, die schalten in einen anderen Gang.
Gibt es ein bestimmtes Thema, um das sich das Album dreht?
Michael: Es gibt viele Themen...
Jordan: Einer der spaßigeren Songs, die wir geschrieben haben, handelt von den 80er Jahren, von der Popkultur damals. Die Musik war sehr simpel und einfach; wir haben nicht allzu viel Zeit darauf verwendet, weil wir zu viel darüber nachdenken wollten. Wir wollten es spielen und da raus bringen. Es geht also um diese Dekade, so dass auch Leute, die diese Zeit nicht miterlebt haben, den Song genießen können.
Wie kommen eure neuen Songs live bei den Fans an?
Michael: Die Resonanz war immer besser, seitdem die Leute die Songs kennengelernt haben.
Jordan: Bei unserem derzeitigen Set spielen wir zuerst einen neuen Song, und ein Song in der Mitte des Sets ist schon online. Bei beiden Songs habe ich gesehen, wie Leute mitgesungen haben. Es macht immer Spaß, eine gute Resonanz zu bekommen, bevor die CD draußen ist. Klar gibt es auch online lauter Diskussionen, aber da versuchen wir, nicht zu viel hineinzuinterpretieren.
Michael: Es braucht eine Menge Willensstärke, nicht die Websites mit den Foren aufzumachen und zu lesen, was die Leute dazu sagen.
Jordan: Ich meine, als wir angefangen haben, wurden wir zum Band mit dem schlechtesten Namen von onion.com gewählt, das ist eine der größten Online-Publikationen für Comedy. Das war 2005, als wir unsere erste Tour hinter uns hatten und dachte, „Wahnsinn, dass onion.com uns zum schlechtesten Bandnamen gewählt hat!“ Aber hey, keine Publicity ist schlechte Publicity.
Ihr habt in der Vergangenheit mit Bands wie Alexisonfire und Anti-Flag Shows gespielt.
Michael: Das war ein Wahnsinnsspaß! Es war ein ziemlich vielfältiges Line-Up – die Sounds waren zum Beispiel auch da. Es war cool – es war die erste Support-Tour, wo wir uns wirklich mit allen Bands super verstanden haben und zusammen abgehangen haben. Alle waren eine große Gruppe anstatt vier oder fünf verschiedene Bands. Wir haben letztes Jahr auch mit Alexisonfire in Australien gespielt. Es war echt cool, und die Reaktion da war irre – so eine gute Show.
Jordan: Es waren enorm viele Leute da, tausende.
Michael: In Kanada ist das auch immer krass.
Habt ihr Länder, in die ihr am liebsten reist?
Michael: Österreich ist eins meiner liebsten Länder geworden. Wir haben vor zwei Tagen da gespielt, in Salzburg, und tagsüber haben wir uns die Stadt angeschaut, das war atemberaubend. Wir haben einen örtlichen Ladenbesitzer gefragt, wo wir hingehen konnten, weil wir die Nacht irgendwo campen wollten, mit Lagerfeuer und allem... Sie schickte uns an den Mondsee. Es war ein riesiger See mit kleinen Orten drumherum. Wir hatten dann ein Feuer und Würstchen, die wir auf Stöcken gegrillt haben. Da haben wir dann abgehangen. Das war echt unvergesslich. An solche Tage erinnert man sich einfach immer zurück – alles ist so fremd.
Jordan: Das hat man so in Nordamerika nicht. Ich meine, wir haben viel Natur, aber...
Michael: Die Burgen!
Jordan: Es hat sich einfach anders angefühlt.
Michael: Ja, all die Geschichte dort. Und „The Sound of Music“ wurde dort gefilmt. Echt cool.
Ihr spielt dieses Jahr wieder auf der Warped Tour, das habt ihr schon ein paar Mal gemacht...
Jordan: Das ist das vierte Jahr, glaube ich.
Was ist daran besonders?
Michael: Es gibt viele Dinge, die die Warped Tour besonders machen. Es gibt in dieser Musiksparte keine andere Tour, wo man jeden Tag vor so vielen Leuten spielt. Es ist die beste Tour, um vor neuen Fans zu spielen. Ein guter Weg, um die Musik rauszubringen an ganz verschiedene Leute. Es ist sehr hart, das sagt jeder, echt kräftezehrend. Aber immer wenn es vorbei ist, schaut man zurück und sagt, wir haben diese riesige, 3-monatige Tour geschafft! Es ist immer eine gute Erfahrung, trotz der täglichen Kopfschmerzen und der Hitze in LA... Wir können uns echt glücklich schätzen, solche Möglichkeiten zu bekommen. Seit vier Jahren sind wir dabei, und so lange sind wir auch in einer Band... Davor sind wir selbst zur Warped Tour gegangen und haben davon geträumt, das eines Tages zu spielen... Man hat so viele Bands gesehen, die das gemacht haben, und dann darf man plötzlich selbst spielen. Das ist echt cool.
Ihr fühlt euch dem Hardcore zugehörig. Was bedeutet das für euch?
Jordan: Es ist einfach eine Gemeinschaft, in der es darum geht, leidenschaftlich in Bezug auf gewisse Dinge zu sein – die Musik in dem Fall. Das ist eine Idee, die sich ausgeweitet hat auf alle angrenzenden Bereiche. Ich glaube nicht, dass man mittlerweile noch einen ganz genauen Sound da zuordnen kann. Verschiedene Genres zerschmelzen zu einem. Wir können uns da zumindest teilweise zuordnen. Es sind eine Menge Leute, die eine entschiedene Meinung zu etwas haben.
Michael: Hardcore hat die Barriere zwischen den Bands und der Menge durchbrochen. Das haben wir immer versucht, in unserem Auftreten einfließen zu lassen. Dass die Band und die Fans eins sind, ohne Trennung. Wir brauchen die Menge zum überleben, um uns Energie zu geben.
Jordan: Wenn man vor dem Fernseher sitzt, ist da eine klare Barriere. Aber wenn man zusammen in einem Raum ist, machen drei Fuß dazwischen keinen großen Unterschied.
Genießt ihr es am meisten, live zu spielen?
Jordan: Ja, auch wenn es ganz unterschiedliche Sachen sind. Musik zu schreiben, macht viel Spaß, es ist mehr eine persönliche Sache. Live zu spielen bedeutet, das dann mit Leuten zu teilen.
Michael: Wenn es ums Schreiben geht, heißt es zurück zu den Wurzeln. Zeit, das nächste Kapitel aufzuschlagen. Du bist allein und machst das, was dich inspiriert. Man erschafft etwas, das man mag und mit Leuten teilen möchte. Und live teilt man das eben, wie Jordan gesagt hat.
Jordan: Das ist der Lohn, der dich dazu bringt, dass du wieder Musik schreiben willst.
Wenn ihr euch irgendeine Band aussuchen könntet, mit denen ihr spielen würdet – wer wäre das? Irgendwelche persönlichen Helden?
Jordan: Ich würde gern wieder mit Jimmy Eat World spielen.
Michael: Ja, das wäre fett.
Jordan: Das war letztes Jahr auf dem Soundwave Festival in Australien. Ich glaube, das hat viele unserer Träume erfüllt. Band, mit denen wir uns nie erträumt hätten, dass wir mal eine Abrechnung teilen würden... Meshuggah war für mich auch riesig – wir haben zwar nicht die selbe Stage gespielt, aber wir waren Teil des Festivals, wo sie auch waren. Und wir sind herumgereist mit all den Bands, Flüge oder Fahrten im Van... Da ist man dann mit einer Menge Bands zusammen.
Michael: Jane's Addiction waren im selben Flug wie wir. Da gibt es dann in der ersten Klasse keine Unterschiede mehr, außer dass sie näher am Notausstieg saßen. Perry Farrell lief dann den Gang hinunter und saß drei Reihen weiter. So viele „Rockstars“, von denen man nie gedacht hätte, dass man sie sieht. Wir sind echt froh, dass wir das Soundwave dieses Jahr im Oktober wieder spielen können, und haben gerade das Line-Up gesehen. Wir saßen da und haben zehn Minuten damit verbracht, zu twittern, dass unser Leben vollkommen ist. Das Line-Up ist so gut wie letztes Jahr, oder sogar besser. Das Gefühl dürfen wir nochmal erleben, das ist echt verrückt. Wir können uns echt glücklich schätzen.
Michael: Das einzige, was nicht so cool ist an der Warped Tour ist das Line-Up. Sie haben früher immer ziemlich starke Bands zusammengestellt, und jetzt konzentrieren die sich auf sagen wir zwei verschiedene große Bands.
Jordan: Ich würde sagen, das musikalische Interesse in Australien ist so wie vor zehn Jahren in Amerika. Man sieht dort drüben eine Menge Bands, die jetzt enorm groß sind. Die waren in Amerika vor zehn Jahren groß, oder noch früher.
Michael: So wie bei Sunny Day Real Estate. Da waren so viele, die die in Australien unbedingt sehen wollten. Die haben die Main Stage gespielt. Obwohl sie sich auch irgendeine gerade gehypte Radio-Band hätten aussuchen können. Oder auch das Groezrock in Belgien – die Line-Ups sind der Warped Tour so überlegen. Es ist cool, dass in anderen Ländern Leute die Musik so lieben – und solche Veranstaltungen sind für die Fans, und nicht für die „coolen Leute“.
Was steht für euch an, wenn ihr nach Hause kommt nach dieser Tour?
Jordan: Wir haben noch etwa drei Wochen frei, bis die Warped Tour anfängt. Wir werden üben und unsere neuen Songs lernen. Und uns für den Sommer bereit machen. Wir werden wieder unterwegs sein und hoffen, dass die neue CD uns noch ein Jahr oder so touren lässt. Von da sehen wir dann weiter.
Michael: Wir wollen auch noch eine Europa-Tour machen. Wir haben keine gemacht seit vier Jahren oder so. Wir haben zwar Shows gespielt, aber keine komplette Tour. Deshalb steht das an.
Jordan: Tour, Tour, Tour (lacht). Tourgasms (lacht)!
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