The King Blues
Band: The King Blues
Interviewer: Franziska
Datum: 15. November 2011
Die britische Punk- und Ska-Band The King Blues hat im Sommer ihr drittes Album "Punk and Poetry" veröffentlicht. Mit den Broilers waren sie im Oktober auf Deutschland-Tour. Wir haben den Gitarristen Jamie Jazz zum Interview getroffen und mit ihm über persönliche Einflüsse und neue Fans gesprochen – und darüber, warum The King Blues-Sänger Jonny Fox seiner Meinung nach im Moment der beste Songwriter der Welt ist.
Farrelmagazine.com: Ihr seid im Moment auf Deutschland-Tour mit den Broilers. Wie läuft's?
Jamie Jazz: Ziemlich gut! Die Tour hat ja gerade erst angefangen, wir haben erst drei Shows zusammen gespielt... Zwei davon waren in der Schweiz, was echt cool war, weil ich da vorher noch nie gewesen bin. Und dann haben wir in Neu-Isenburg gespielt... Mir war vorher nicht klar, wie groß die Broilers hier sind. Wir hatten viel Spaß zusammen und die Broilers kümmern sich echt super um uns, sie haben uns echt fantastisch behandelt.
Ihr habt aber schon in Deutschland gespielt, oder?
Wir haben diesen Sommer bei Rock am Ring und Rock im Park gespielt und in Berlin und Hamburg. Das sind aber die einzigen vier Shows. Das jetzt ist also unsere erste richtige Festland-Europa-Tour. Vorher sind wir eigentlich kaum aus Großbritannien herausgekommen, deshalb ist das ziemlich aufregend. Zuhause sind wir recht erfolgreich, und hier fühlt es sich wie ein kompletter Neustart an. Das ist erfrischend – neues Publikum, neue Herausforderungen; einfach unsere Musik ganz neuen Leuten zu zeigen.
Heute ist eure erste Headline-Show auf dieser Tour.
Ja, in Belgien und Holland haben wir schon ein paar Headline-Shows gespielt, das hier ist unsere erste Headline-Show in Deutschland. Es läuft ziemlich gut, es fühlt sich ein bisschen an, als würden wir zu unseren Wurzeln zurückkehren. Kleinere Veranstaltungsorte und sehr viel intimere Shows. Das gefällt mir eigentlich besser. Es ist nicht so wichtig, wie viele Leute kommen, aber die Leute, die da sind, haben eine gute Zeit. Es ist ein guter Vibe.
Sind eure Fans in anderen Ländern unterschiedlich?
Kann ich gar nicht so genau sagen, weil das so neu für mich ist. Es ist eine so neue Erfahrung... Ich bin mir also nicht sicher. Es war recht lustig, da waren ein paar Leute, die zu jeder Headline-Show gekommen sind... Die waren also in Belgien mit uns, in Holland, sind uns also hinterhergereist. Aber wenn ich an letzte Nacht denke, wo die Broilers vor tausend Leuten gespielt haben, dann muss ich sagen, dass die deutschen Fans viel härter drauf sind. Die haben gern Spaß! Nach unserer Show bin ich durch die Menge gelaufen und... naja, alle sind ausgelassen, aber es ist echt gröber. Da ist es einem Punk-Konzert in Großbritannien recht ähnlich. Aber die Leute sind glaube ich netter in Deutschland als dort. Das Gefühl habe ich zumindest.
Was ist euer nächstes Ziel? Fahrt ihr wieder heim nach dem Konzert in der Schweiz?
Wir spielen noch ein paar Konzerte in Österreich, obwohl der Hauptteil der Tour in Deutschland ist. Danach fahren wir dann zurück nach Hause und spielen da eine Headline-Tour. Wir nehmen die Broilers mit zu unserer Show in London. Da freue ich mich schon drauf, die Jungs in London zu sehen. Die waren noch nie so richtig in Großbritannien und scheinen sich echt zu freuen. Danach haben wir ein bisschen frei. Und dann machen wir eine Co-Headline-Tour durch Großbritannien mit Billy Bragg. Er ist einer unserer Helden – ehrliche Musik und ein politischer Held. Und danach geht’s nach Los Angeles, wo wir unsere neue CD aufnehmen. Das wird spaßig. Dieses Jahr ist also für uns ein Jahr voller neuer Erfahrungen. Ein bisschen einschüchternd, aber spaßig. Und dann... Dann hoffe ich, dass wir es rechtzeitig bis Weihnachten nach Hause schaffen.
Aber ihr habt doch gerade erst euer neues Album veröffentlicht.
Ja, stimmt. Ich weiß zwar nicht ganz genau, wann es in Deutschland herausgekommen ist, aber in Großbritannien ist es seit April draußen... Es ist komisch, weil zwischen unserem letzten Album „Save the World, Get the Girl“ und dem jetzigen, „Punk and Poetry“, zweieinhalb Jahre liegen. Wir waren die ganze Zeit auf Tour und haben versucht zu schreiben, aber wir waren echt geschafft nach „Save the World, Get the Girl“... Aber nachdem „Punk and Poetry“ herausgekommen ist, haben wir immer noch weiter geschrieben. Wir hatten einfach mehr als genug geschrieben, um noch eine CD aufzunehmen. Wir waren einfach noch voll im Schreiben drin und haben gedacht: Wo ist der Sinn darin, zu warten? Lasst uns einfach Ende des Jahres aufnehmen... Wir nehmen die CD auf mit John Feldmann, der bei Goldfinger gesungen hat. Wir haben schon ein bisschen Pre-Production mit ihm gemacht, eine Woche bevor wir auf Tour gegangen sind. Er ist unglaublich klug und versteht die Band ziemlich gut. Wir werden das neue Album also mit ihm aufnehmen und sind schon ziemlich aufgeregt.
Wie schreibt ihr neue Songs? Schreibt ihr auch, wenn ihr auf Tour seid?
Itch (Jonny Fox, der Sänger – Anm. d. Red.) schreibt eigentlich jeden Tag neue Texte. Ich habe noch nie einen Songwriter wie ihn getroffen. Jeden Tag zwingt er sich dazu, mehr und mehr zu schreiben. Im Bus hat er Bücher über Bücher, die voll sind mit Texten. Dann geht er die Texte durch und sucht sich Passagen aus, die er mag, und bringt sie zusammen. Wir schreiben alle irgendwie Riffs und Teile von Songs aber den Hauptteil macht Itch. Er sperrt sich dann ein für zwei Wochen oder so wenn die Texte fertig sind. Dann schreibt er Teile von Songs auf einer Akustik-Gitarre oder Ukelele. Wir schauen ihm dann zu und lernen es. Von da an schauen wir, wozu der Song wird – ein Punk-Song, ein Ska-Song, was für einen Vibe hat er? Jeder bringt seine eigenen Teile mit rein. Von daher schreiben wir schon kollektiv als Band, aber die Akkorde und der Refrain sind meistens von Itch. Er ist ein unglaublich guter Songwriter. Er ist einer der besten auf der ganzen Welt im Moment.
Ihr bringt in eurer Musik unterschiedliche Stile zusammen, wie Ska, Punk oder Hip Hop und Reggae. Habt ihr alle unterschiedliche Einflüsse oder wie kommt ihr zu eurem Stil?
Wir sind zu sechst in der Band, deshalb ist es nur natürlich, dass man auch unterschiedliche Einflüsse hat und verschiedene musikalische Hintergründe. Aber wir wurden alle beeinflusst von – nicht so sehr, wie es gesungen wurde, was für ein Genre es war oder was die Aussage war – aber wir konnten uns alle mehr oder weniger auf rebellische Musiker einigen. Asian Dub Foundation, Rage Against the Machine, The Clash, Woody Guthrie... Das umspannt viele verschiedene Genres und Techniken. Wir wollten diese Einflüsse irgendwie in unsere Musik bringen. Das war bei uns nie der Fall, aber wir glauben, dass eine Ska-Band von Ska-Kids gemocht wird oder eine Hip Hop-Band von Hip Hop-Kids und so weiter... Aber das war nie, worum es uns geht. Wir versuchen einfach, die Dinge zu nehmen, die wir lieben, und daraus irgendwie unseren eigenen Sound zu machen. Punk Rock ist ganz offensichtlich die Grundlage dieser Band, da kommen wir her und das ist die Musik, mit der wir alle aufgewachsen sind und die Szene, in der wir aufgewachsen sind. Aber ich war immer mehr interessiert an Punk-Bands, die die Grenzen eines Genres austesten. The Refused oder Hüsker Dü zum Beispiel... Bands, die sich mit der Zeit entwickelt haben und die wirklich etwas ganz Neues gemacht haben. Und mit The King Blues versuchen wir, genau das zu tun. Unsere erste CD war rein akustisch... Damals gab es eine kleine Szene, Folk Punk, wie es jetzt genannt wird. Wir wussten davon aber damals noch nichts, wir wussten noch nicht, was in Amerika passiert, Against Me! waren nicht die größte Band weltweit, und niemand kannte das, also wir nicht. Wir mochten einfach die Idee, ein Akustik-Album zu machen, etwas anderes eben. Bei der zweiten CD haben wir dann gesprochene Worte aufgenommen. Wir wollten einfach etwas anders machen und wir selbst sein.
Fühlt ihr euch denn trotzdem einer Szene zugehörig?
Musikalisch und als Menschen sind wir alle mit der Londoner Squad-Szene aufgewachsen. Wir haben mit Squad Punk-Bands gespielt, mit politischen Hardcore-Bands. Gleichzeitig gab es eine große Hippie-Bewegung unter den Squads, und auch eine Reggae-Bewegung. Das hat uns stark beeinflusst. Da kommen wir her. Vor allem Itch und ich mögen die Londoner Hardcore und Punk-Bands schon so lange... Das ist einfach alles eine große fröhliche Familie.
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