Customs - Enter the Characters

Customs - Enter the Characters

So schnell kann es manchmal gehen: gerade mal vor zwei Jahren die Band gegründet, vor einem Jahr dann das erste Konzert und jetzt schon das neue große Ding im Heimatland Belgien, und das keineswegs als Geheimtipp, sondern ganz offiziell in den Charts, Stichwort: Gold. Das ist nämlich zumindest in greifbarer Nähe. Hört sich abenteuerlich an, ist aber die Geschichte der belgischen New Waver Customs. Und ihre Story ist wie die vieler anderer eng an das Internet gekoppelt: Über die Website vi.be wurden sie vom belgischen Radiosender Studio Brussels entdeckt und fortan ins Programm aufgenommen. 2009 folgte dann das erste Album, Enter the Characters, was bei uns erst in diesem Sommer erschienen ist. Gemastered hat das Ganze dann mal eben Geoff Pesche (unter anderem Arctic Monkeys, Coldplay, LCD Soundsystem) in den Abbey Road-Studios.


Und wie das klingt? Das erklärt Sänger Kristof Uittebroek eigentlich am besten selbst: wie Retrofuturismus. Im Klartext: „Retro, weil wir wirklich viel Musik aus den Achtzigern hören. Und futuristisch, weil unsere Musik etwas sehr Mathematisches hat, etwas sehr Geometrisches“. Letzteres beschreibt die elf (zwölf mit dem überflüssigen Intro) Songs auf Enter the Characters ziemlich gut. Über allem steht die markante, monotone Stimme von Uittebroek (und letzteres ist nicht negativ zu verstehen!). Klare Linien, 80er-Anleihen, ohne mit zuvielen Synthies auf die Nerven zu gehen. Ein bisschen düster klingt es auch. Irgendwie denkt man da an Interpol. Und wenn man die dann hört, stellt man fest: So ähnlich ist sich das ja gar nicht. Aber ein bisschen eben schon. Auch Vergleiche mit Joy Division werden immer wieder angestellt. Musikalische Highlights sind Where The Moon Spends His Days, The Matador und Rex, das dem Ganzen damals (obwohl damals ja, wie oben erwähnt, relativ zu betrachten ist) den Anstoß gab.

Fest steht jedenfalls, dass dieses (nach eigenen Aussagen) billig produzierte Erstlingswerk vor Professionalität sprüht. Das klingt eigentlich nicht nach einem Debutalbum, sondern nach einer Band, die es schon seit Jahren gibt. Zu kritisieren gibt es da nichts, kein Lied fällt negativ heraus. All das spricht für Customs. Lediglich ein bisschen mehr Abwechslung wäre schön gewesen, die elf Songs mit dem immergleichen Beat werden irgendwann zu einer homogenen Masse. Aber wer braucht überhaupt noch Zuspruch, wenn das Debutalbum auf Gold zusteuert?




www.myspace.com/customstheband
www.customstheband.com/

18. August 2010, von Franziska
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