Devendra Banhart - What Will We Be
Es ist eine rare Sache, Musik zu entdecken, die noch nicht groß rausgekommen ist. So ein kleines, ungeschliffenes Juwel, dass von den Massen noch nicht korrumpiert wurde. Um einen solchen Künstler handelt es sich bei Devendra Banhart, obwohl er Kennern natürlich als Geheimtipp bekannt sein dürfte. Schon seit sieben Jahren macht er Musik, und in dieser Zeit sind bereits ebenso viele Alben entstanden. Sein letztes heißt What Will We Be.
Devendra Banhart mit dem ungewöhnlichen Vornamen, den seine Eltern von einem indischen Mystiker übernommen haben sollen, wird gern dem „Freak Folk“ zugerechnet. Ein bisschen Hippie, lange Haare, langer Bart, keine Scheu vor Nacktheit, wie das Cover vom Megapuss-Album Surfing beweist. Das schmächtige Wunderkind ist zurück. Und gleich zu Anfang steht die Frage: Ja, wie wird es denn eigentlich, das neue Album? Jetzt, wo Devendra bei Warner ist. Und was heißt das eigentlich? Ausverkauf?
Aber erstmal ganz langsam. Fast alle Songs auf der CD zeigen, welch Potential noch in Banhart steckt. Zu den hörenswertesten und eingängigeren Songs zählen 16th & Valencia Roxy Music (auch wenn man sich das Lied in der Tat gut in einer Fernsehwerbung vorstellen könnte), Goin´ Back, das hoffnungsvoll-einfach-nur-glückliche Baby oder der Opener Can´t Help But Smiling. Unbedingt empfehlenswert, wenn auch hauptsächlich wegen der Story zum Song, ist Chin Chin & Muck Muck. Banhart selbst hat den unsinnig-albernen Song so erklärt: „Ich singe vom Standpunkt einer alten Frau aus, weil das das ist, wer ich eigentlich bin. Ich gehe um halb neun ins Bett, trinke warme Milch und schaue mir meine Shows an. Ich mag das.“
Ein bisschen verwässert erscheinen dagegen die Parts der CD, die sich im uferlosen Instrumentalen verirren. Ohnehin ist What Will We Be geprägt von großer Experimentierfreudigkeit – wenige Songs enden so, wie sie begonnen haben. Manchmal, wie bei Angelika zum Beispiel, fragt man sich nach der Hälfte, ob das immer noch das gleiche Lied ist. Auch wenn an mancher Stelle ein wenig mehr Struktur nicht geschadet hätte, steht doch an vorderer Stelle die Zufriedenheit darüber, ein Album mit Ecken und Kanten in den Händen zu haben. Das ist immerhin meistens die gute Phase, auf die bis ins kleinste Detail glatt geschliffene Mainstream-Produktionen folgen.
Man kann aber wohl erst mal beruhigt sein: Trotz dem Sprung zum Major-Label hat sich Banhart nicht allzu sehr von seiner musikalischen Vergangenheit entfernt; es hört sich nach echter, rauer Musik an. Und das ist so erfrischend wie schon lange nichts mehr. Hoffentlich schafft es so bald niemand, auch kein Majorlabel, dieses Freiheitsgefühl zu ersticken. Und wie Devendra selbst so schön singt: „I know I look high, but I´m just free dancing. I know I look hypnotized, but I´m just table tapping“.
http://www.myspace.com/devendrabanhart