Milagres - Glowing Mouth
Um erahnen zu können, dass Milagres so etwas wie „Wunder“ heißt, bedarf es nicht viel. Ein Wunder ist das neue Album der Band aus Brooklyn, „Glowing Mouth“, dann irgendwie auf verschiedene Art und Weise – oft aufgrund der wunderlichen speziellen Stimmung, die sich über weite Teile entfaltet, und manchmal auch aufgrund der Verwunderung über Parts, die es besser nicht aufs Album geschafft hätten.
Ähnlich ruhig, wie das restliche Album sein wird, fängt der Opener „Halfway“ an. Man ist noch nicht ganz sicher, was aus der Sache werden soll – wieder mal eine Platte, voll gestopft mit Synthies, die in elektronische Sphären abdriftet, in die man lieber nicht folgen möchte? Zum Glück ist im Verlauf der nächsten paar Songs schnell klar, dass man Milagres nicht mit eben genannten Hip-Bands über einen Kamm scheren kann. Zu sehr liegt der Fokus eben nicht auf der musikalischen Untermalung, sondern auf Kyle Wilsons tiefer und beruhigender Stimme. Das bringt Songs hervor wie „Fright of Thee“, „Gentle Beast“ oder „Gone“.
Um die Entstehung des Albums zu erklären, bietet sich eine eher trübselige Anekdote aus dem Leben von Wilson an: Beim Bergsteigen in British Columbia stürzte der Sänger und verletzte sich schwer am Rücken. In den Monaten danach dachte Wilson zunächst, er würde nie wieder in seiner Band spielen können. Glücklicherweise ging am Ende doch alles gut aus, und zugleich brachte der Zwischenfall die Inspiration für dieses Album.
Die Homogenität des Albums ist dann jedoch stellenweise gestört – von Liedern wie dem titelgebenden „Glowing Mouth“, das vor allem durch seine Überlänge und der nervtötend hohen Stimme des Sängers auffällt. Glücklicherweise halten sich die zweifelhaften Momente insgesamt aber in Grenzen. Zum Schluss ist man mit dem Endtrack „Doubted“ ohnehin versöhnt und, wenn auch nur in diesem Song, zumindest ansatzweise an Scott Matthew erinnert.
Alles in allem ist Milagres mit „Glowing Mouth“ ein hörenswertes Album gelungen, das von Sänger Wilsons Stimme getragen wird. Die elf Tracks entführen den geneigten Hörer in wunderliche Sphären, die erfrischend eigenständig klingen. Und das ist nicht selbstverständlich.
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