Robert Francis - Before Nightfall
Robert Francis. Ein Name, den man sich merken sollte. Gerade ist das erste Album des Sängers herausgekommen, und „Before Nightfall“ lässt eigentlich keine Wünsche offen. Kein einziger Song zeigt Schwächen, kein einziger fällt aus dem Rahmen. Robert Francis hat das Zeug zum wirklich großen Songwriter. Dabei ist er gerade mal 22.
Robert Francis hat früh angefangen, die Musikalität wurde ihm quasi in die Wiege gelegt: Der Vater Pianist, die Mutter Sängerin. Als er 16 ist, wird John Frusciante von den Red Hot Chili Peppers sein Gitarrenlehrer – Fleas Tochter war mit Robert zur Schule gegangen. Sein Debutalbum „One By One“ hat er veröffentlicht, als er 19 war. Drei Jahre später kommt jetzt der Nachfolger „Before Nightfall“.
Obwohl die Single „Junebug“ ohne Zweifel ein absolut gelungener Song ist, ist sie für das ganze Album nicht repräsentativ. Robert Francis´ Stärke liegt in den ruhigeren, melancholischeren Stücken. „Mescaline“ zum Beispiel, oder „Climb A Mountain“ - aber eigentlich könnte man jetzt jedes andere Lied der CD aufzählen, denn sie haben alle ihre Momente. Dazu muss wohl der ein oder andere biografische Punkt aus Robert Francis´ Leben zitiert werden: Die erste große Liebe mit 18, als er noch in der Schule war. Drei Jahre auf und ab. Das spiegelt sich in den (nach eigenen Angaben) autobiografischen Texten wider. Etwa in „Junebug“: „You were beautiful then, you´re just a coke jaw now“. Oder in „Mescaline“: „You shoot up, then you go to class. It´s funny how nobody asks you, `cause all your teachers love you, everybody loves you, the same way that I do.“ Oder „Darkness“: „I never was the one for you, you never were the one for me.“ Das ließe sich noch endlos fortführen, bis man meint, Robert Francis und seine Geschichte persönlich zu kennen. Auf der einen Seite ist das vielleicht mehr Offenheit, als man an Musikern schätzt (oder würde man selber sein ganzes Leben öffentlich breittreten?), aber auf der anderen Seite ist es auch sehr authentisch.
Bleibt festzuhalten, dass „Before Nightfall“ ganz groß ist. Mit Melancholie und schönen, kleinen Melodien brennt es sich erst in den CD-Player und dann ins Herz. Irgendwie hofft man noch, dass Robert Francis nicht zu groß wird, weil er dann kein geheimes Juwel mehr ist. Aber mit „Junebug“, das sich im Moment auf Platz 33 der deutschen Singlecharts befindet, ist die Chance wohl eh vertan. Aber andererseits – irgendwie hat er das ja auch verdient.
