Tunng - This Is Tunng... Live From The BBC
Wenn die Geschichte stimmt, dann haben Mike Lindsay und Sam Genders bis 2005 eigentlich ganz andere Musik gemacht als heute: Sie sollen, so das Gerücht, Musik für Werbung und Softpornos produziert haben, Lindsay zumindest. Genders trat darüber hinaus in Pubs als Singer/Songwriter auf. So jedenfalls lautet offenbar die Gründungsgeschichte der Londoner „Folktronica“-Band Tunng, die ursprünglich aus diesen beiden Mitgliedern bestand. Jetzt ist die Live-CD „This Is Tunng... Live From The BBC“ erschienen.
Genders ist mittlerweile aus dem Projekt ausgestiegen, dafür sind Ashley Bates, Phil Winter, Martin Smith, Becky Jacobs und Simon Glenister verstärkend mit im Boot. Die Musik der englischen Band zu beschreiben, ist gar nicht mal so einfach. Viel Electronica, viele experimentelle Elemente, ein bisschen Indie und ein paar Samples.
Dabei kommen dann so unterschiedliche Songs heraus wie „Tamatant Tilay“, der stellenweise eher an die Hintergrundmusik in einem türkischen Restaurant erinnert (man hat den Geschmack von Apfeltee schon fast auf der Zunge), oder das eher zurückgefahrene „Hustle“. Auffällig ist aber, dass die beiden mit Abstand besten Songs der Platte – „Bullets“ und „Jenny Again“ – mit weniger Gedudel auskommen und sich auf die Stärke der Band besinnen: Ihr Gespür für wundervolle Melodien, eher britisches Understatement als pompöse Arrangements. Die kleinen Momente sind es eben, die zählen.
Bei Tunng gibt es geräuschtechnisch nichts, was es nicht gibt. Glocken, Rasseln, Verkehrslärm, fremde Tribalgesänge... Das ist nur ein kleiner Teil des Spektrums. Dabei passt es in aller Regel sogar gut zu den Songs, wo es bei anderen Bands tendentiell eher auf die Nerven gehen würde. Nicht jeder der elf Song überzeugt vollends, aber insgesamt ist man doch wohlwollend angetan. Noch dazu verbreitet „This Is Tunng... Live From The BBC“ eine winterlich-gemütliche Stimmung und passt somit ziemlich gut in die kalten Tage. Gelungen.
myspace.com/thisistunng
tunng.co.uk
04. Dezember 2011, von Franziska
